‘Der Frieden’ nach Aristophanes

Das Grundgerüst unserer Geschichte ist fast 2500 Jahre alt, und  als Parabel für den Menschen dennoch zeitlos: Der Winzer Trygäos bricht auf einem monströsen Mistkäfer zum Olymp auf, um die Götter anzuklagen, warum sie Griechenland mit Krieg verheeren. Dort angekommen muss er aber feststellen, dass der Niederdonnerer Zeus und die anderen Unsterblichen den Menschen längst enttäuscht den Rücken gekehrt haben, so kriegslüstern und unversöhnlich waren sie ihnen. Einzig in Hermes, der als Gott der Diebe die Menschen vielleicht am besten versteht, kann Trygäos noch einen Verbündeten finden. Mit seiner Hilfe befreit er die Friedensgöttin und kehrt nach Hellas zurück. Aber nicht alle können sich darüber freuen.

Als „Der Frieden“ 421 v. Chr. den zweiten Preis bei den Festspielen zu Ehren des Gottes Dionysos gewann, verheerte der Peloponnesische Krieg Griechenland bereits seit zehn Jahren. Die Spartaner waren mehrfach in Attika eingefallen um das athenische Umland zu verwüsten, die Athener wiederum hatten teils brutal Aufstände unter ihren Verbündeten niedergeschlagen. Thukydides – „der Vater der Geschichtsschreibung“ – beklagt in seinem Hauptwerk die „unmenschliche Rohheit“ zu der der Kampf entartet war.

Vor diesem Hintergrund arbeitet Aristophanes in seiner Komödie aktuelle Geschehnisse in einer Art und Weise auf, wie man es vielleicht heutzutage im politischen Kabarett erwarten würde. Er spricht prominente Persönlichkeiten direkt an, von denen er annehmen musste, dass sie bei einem Staatsakt wie den Dionysien im Publikum sitzen würden. Dabei kritisiert er Politiker ganz offen oder macht sich über das lustig, was man heute B-Prominenz nennen würde. Mit Konsequenzen musste er dabei durchaus rechnen: Er wurde im Laufe seines Lebens mehrmals angeklagt, weil er sich mit den Mächtigen angelegt hatte.

Die meisten von Aristophanes’ politischen und gesellschaftlichen Anspielungen sind für uns Heutige  natürlich nicht mehr zu verstehen: Das mit den Stößeln, die der Gott des Krieges fordert, um die griechischen Städte in seinem Mörser zu zerstampfen, die Feldherren Brasidas und Kleon gemeint sind, werden nur eingefleischte Historiker noch wissen. Wo es möglich war, wurden solche Verweise in unserer Fassung daher auch weggelassen. Wenn Sie sich aber an der ein oder anderen Stelle fragen, ob sie wirklich von einem griechischen Komödiendichter vor über zweitausend Jahren geschrieben worden sein kann, sind sie vielleicht auf eine der behutsamen Aktualisierungen gestoßen, die wir vorgenommen haben. Auch Aristophanes wollte sein Publikum direkt ansprechen, er hat also sicher nichts dagegen.